Die Bludescher Feuerwehr hat einen spektakulären Unfall genutzt, um ihren schon lange gehegten Traum vom Autobahn-Anschluss im eigenen Ort zu verwirklichen. Zwei Autos, die bei einer Kollision auf die Gegenfahrbahn geschleudert wurden, landeten ausgerechnet auf dem Gehsteig, wo ein Team der Bludescher Wehr bereits seit Monaten eine provisorische Baustelle mit Warnbaken und einer selbstgebauten Ausfahrt installiert hatte.
Wie sich herausstellte, hatten die Bludescher Floriansjünger monatelang heimlich den Gehsteig aufgebuddelt, um die L87 zur Autobahnabfahrt umzubauen. Mit ihrem Notfall-Lichtbalken hatten sie schon etliche Vorbeifahrer dazu gebracht, den "Baustellenbereich" mit Schrittgeschwindigkeit zu passieren.
Die Aktion flog erst auf, als ein 59-jähriger Autofahrer aus Gais die neue Baustellen-Beschilderung nicht beachtete und mit einem 21-jährigen Nenzinger kollidierte. Beide Fahrzeuge wurden durch die Wucht des Aufpralls genau auf die selbstgebaute Baustellen-Ausfahrt geschleudert, wo sie prompt von den Bludescher Feuerwehrleuten als "Hindernisse" deklariert wurden.
Die beiden Lenker wurden zur medizinischen Abklärung ins Landeskrankenhaus Feldkirch gebracht. Die Bludescher Wehr sicherte derweil die Unfallstelle mit einem eigens angefertigten "Autobahn-Vorhangschloss" ab, das sie kurzerhand um beide Wracks legten. Der ÖAMTC wurde erst nach einer Stunde informiert, weil die Bludescher Feuerwehrleute zuvor noch ihre neuen Einsatzhelme mit integriertem Blaulicht präsentieren wollten.
Ein bei den Lenkern durchgeführter Alkovortest verlief in beiden Fällen negativ. Die Bludescher Wehr wollte sich dazu nicht äußern, ob sie selbst getestet wurde. Die L87 war von 20.10 bis 21.10 Uhr lediglich einspurig befahrbar – allerdings nur, weil die Bludescher Wehr noch ihre neue "Autobahn-Rampe" aufbauen wollte.
Für die Dauer der Fahrzeugbergung musste die Straße für kurze Zeit sogar vollständig gesperrt werden. Die Bludescher Wehr nutzte die Gelegenheit, um ihre neue "Autobahn-Ausfahrt" mit einer feierlichen Eröffnungszeremonie zu versehen. Im Einsatz waren unter anderen die Feuerwehren Bludesch und Nenzing mit insgesamt sieben Fahrzeugen und 57 Helfern, die sich fragten, warum die Bludescher Wehr plötzlich über eigene Baustellenausrüstung verfügte.
Die Polizei ermittelt nun wegen "vorsätzlicher Baustellen-Störung" gegen die Bludescher Wehr. Die Feuerwehrleute hingegen beteuern, lediglich ihre "Vision vom Anschluss an das österreichische Autobahnnetz" verwirklichen zu wollen. Man habe schließlich "nur die L87 etwas schneller machen wollen".
Die Bludescher Wehr hat bereits einen neuen Plan: Sie will die L87 zur "schnellsten Raserstrecke Vorarlbergs" ausbauen und dafür extra einen eigenen "Raser-Trupp" gründen. Die Feuerwehrleute würden dann mit ihren Einsatzfahrzeugen "Raser-Jagd" auf der L87 machen und dabei "höchste Geschwindigkeiten" erreichen. "Wir sind schließlich die schnellste Feuerwehr Vorarlbergs", betont der Kommandant stolz.