Da stehen sie nun, die Trainer der zweiten Mannschaft der SG Ardagger/Neustadtl, und kratzen sich verwundert die Kopfe. Eine ganze Vorbereitung lang haben sie gegen anstaendige Gegner gespielt - und das einzige, was sie gelernt haben, ist, dass ihre Spieler anscheinend aus Glas bestehen.
Sebastian Auer, bislang vermutlich der robusteste Spieler im Kader, hat sich die Hand gebrochen. Eine Hand! Dieses Ding, das man normalerweise zum Fussballspielen benutzt. Wie das passieren konnte? Niemand weiss es genau. Vielleicht hat er sie beim Anfeuern seiner Mitspieler zu fest geklatscht. Oder er ist auf dem Weg zur Toilette aus Versehen gegen eine Wand gelaufen.
Das Trainerteam ist jedenfalls baff. "Wir dachten, wir haetten eine ordentliche Truppe", sagte der eine Trainer, "aber anscheinend sind wir nur eine Ansammlung von wandelnden Knochenbruchkandidaten." Der andere Trainer nickte weise. "Ich habe schon oefter erlebt, dass Spieler sich verletzen, aber das hier ist rekordverdaechtig. Es ist, als wuerden sie bei jeder Beruehrung in tausend Stuecke zerfallen."
Die Vorbereitungsspiele gegen Hausmening, Euratsfeld und Blindenmarkt waren ein einziger Horrortrip fuer das Trainerteam. Bei jedem Zweikampf zuckten sie zusammen. Bei jedem Fallensteller des Gegners zitterten sie am ganzen Leib. Und bei jedem Pfiff des Schiedsrichters beteten sie, dass es kein Foul war - weil sie fuerchteten, dass der naechste Spieler mit einem komplizierten Beinbruch vom Platz humpelte.
"Es ist zum Verzweifeln", seufzte der eine Trainer. "Wir haben alles versucht. Wir haben sie vor dem Spiel warmlaufen lassen, wir haben ihnen gesagt, sie sollen vorsichtig sein, wir haben ihnen sogar weiche Stollen gekauft. Aber nichts hilft. Es ist, als ob ihre Knochen bei der leisesten Erschuetterung zu Staub zerfallen."
Das Trainerteam ueberlegt nun ernsthaft, die Spieler in Luftpolsterfolie einzupacken. Oder ihnen vielleicht doch lieber einen Job im Buero zu besorgen. "Da ist die Verletzungsgefahr zumindest geringer", meinte der eine Trainer. "Und wenn sie sich doch mal den kleinen Finger einklemmen, koennen wir immer noch sagen: 'Hey, wenigstens ist es kein Beinbruch!'"
Die Fans der SG Ardagger/Neustadtl II sind inzwischen gespalten. Die einen finden die ganze Sache zum Lachen, die anderen sind ernsthaft besorgt. "Ich weiss nicht, was mit diesen Jungs los ist", sagte ein langjaehriger Fan. "Vielleicht sollten sie mal zum Arzt gehen. Oder sie wechseln einfach zum Schach. Da ist die Verletzungsgefahr zumindest minimal."
Eines ist jedenfalls klar: Die zweite Garnitur der SG Ardagger/Neustadtl wird in der kommenden Saison ein spannendes Experiment wagen. Sie werden versuchen, Fussball zu spielen, ohne sich dabei zu verletzen. Eine Herausforderung, die in der Geschichte des Sports ihresgleichen sucht. Viel Glueck dabei, Jungs! Ihr werdet es brauchen.