Eine bahnbrechende neue Studie zeigt: Wer Homeoffice macht, bekommt mehr Kinder. Das ist in etwa so überraschend wie die Erkenntnis, dass es im Schwimmbad nass ist. Wenn man 24 Stunden am Tag mit seiner besseren Hälfte in einem Raum sitzt, dann muss man sich irgendwie beschäftigen. Und weil Netflix nicht immer funktioniert und der Amazon-Lieferant nur einmal pro Woche kommt, bleibt nur eins: Fortpflanzung als Anti-Langeweile-Therapie.
Die Forscher vom Ifo-Institut haben offenbar nicht mitbekommen, dass Homeoffice-Paare nicht mehr Kinder bekommen, weil sie plötzlich mehr Zeit oder Lust haben. Sondern weil sie verzweifelt versuchen, dem anderen zu entkommen. "Wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten, ist der Effekt am größten", sagt Mathias Dolls. Ja klar, weil man sich dann mindestens drei Mal am Tag gegenseitig an die Gurgel geht und eine Schwangerschaft ist die einzige legale Möglichkeit, mal für neun Monate aus dem gemeinsamen Homeoffice auszusteigen.
Die Logik ist einfach: Homeoffice führt zu mehr Nähe. Mehr Nähe führt zu mehr Stress. Mehr Stress führt zu mehr Alkohol. Mehr Alkohol führt zu mehr ungeschütztem Sex. Und schwups ist das Homeoffice-Problem für neun Monate gelöst. Danach hat man zumindest einen legitimen Grund, um endlich wieder ins Büro zu gehen: "Sorry Schatz, ich muss jetzt für unsere kleine Familie sorgen. Kann ich mal kurz dein Handy leihen? Ich muss meinem Chef sagen, dass ich ab sofort wieder fünf Tage die Woche im Büro bin."
Die Studie vergisst dabei eines: Nicht alle Homeoffice-Paare wollen mehr Kinder. Manche wollen einfach nur ihre Ruhe. Aber weil die WG mit der eigenen Ehefrau oder dem Ehemann etwas intimer ist als mit dem chaotischen Mitbewohner von früher, bleibt nur die Brutalisierung der Familienplanung als Ausweg. "Schatz, wir könnten ja noch eins mehr bekommen", sagt der Partner mit dem Laptop in der einen und dem Kalender in der anderen Hand. "Oder wir lassen uns scheiden", sagt der andere. Und dann entscheiden sie sich für Option eins, weil die ja neun Monate dauert und in der Zeit kann man ja nochmal über alles nachdenken.
Die wirkliche Lösung für den demografischen Wandel wäre also nicht mehr Homeoffice, sondern mehr Abstand. Oder zumindest mehr getrennte Arbeitszimmer. Denn wenn man den ganzen Tag hört, wie der andere atmet, tippt und womöglich noch laut schmatzend sein Mittagessen verzehrt, dann steigt nicht die Lust auf Kinder, sondern die auf einen Anwalt. Und wenn die Forscher wirklich was bewegen wollen, dann sollten sie untersuchen, warum Homeoffice-Paare nach drei Monaten öfter zum Therapeuten gehen als andere. Aber das würde ja den Mythos vom entspannten Arbeiten von zu Hause aus zerstören.
Fazit: Homeoffice ist das neue Verhütungsmittel - nur funktioniert es genau andersherum. Wer das Problem kennt, weiß: Wer mehr Kinder will, schickt die Partnerin oder den Partner ins Büro. Wer Ruhe will, schickt sie zum Yoga. Und wer beide will, der muss wohl doch noch mal in die Ausbildung zum Beziehungsberater. Denn eins ist klar: Kinder sind kein Karriere-Killer, aber Homeoffice kann durchaus eine Ehe beenden. Und das, bevor die Kleinen überhaupt da sind.