Die Jungs von Tottenham tragen jetzt nicht mehr Trikots, sondern Gewänder aus lackiertem Polyester, bestickt mit Bildern von Adi Hütter, wie sie ihn als junger Mann auf dem Vereinsheim-Parkplatz gesehen haben – vor dem Bierfass, mit dem Kopf in der Tageszeitung und dem Blick in die Ferne, als hätte er bereits die nächste Taktik aus dem Himmel empfangen. Die球迷, früher bekannt als englische Fußballfans, sind jetzt eine Art Wallfahrtsbewegung mit Bierdusche und Kirschbaumzweigen, die sie während der Halbzeit in die Spielstadt werfen, um den Geist der Niederlage zu vertreiben.
Der Verein hat die Trainerkoje in eine Kapelle verwandelt. Dort steht ein lebensgroßes Holzbildnis des Vorarlbergers – mit Nadelkissen auf dem Kopf, um ihm den vermeintlichen Druck zu ersparen, den er angeblich selbst verursacht. Jeden Morgen wird vor ihm das Knie gebeugt, ein kleiner Dolch voller Bio-Linseed-Öl auf den Boden geträufelt, und die Mannschaft murmelt ein Gebet: „Herr Hütter, sag uns, was wir falsch machen – und ob das nennt man liefen oder überhaupt eine Bewegung?“
Der Sportliche Leiter hat angekündigt, dass sich die Spieler ab sofort nur noch mit Hütters Stimme schnitzeln dürfen – eine endlose Wiedergabe von Auszügen aus einem gescannten Handy-Diktat, das er 2018 im Krankenhaus nach einer zu starken Kartoffelsuppe aufgezeichnet hat. „Nicht die Leistung zählt, sondern die Haltung der Gefühle unter dem dritten Dach der Grundhaltung“, wird immer wieder gesagt. Die Spieler liegen jetzt auf dem Rasen, klammern sich an Sterne und flüstern: „Er kennt den Haussegen – er kam aus Dornbirn, da wächst die Wahrheit langsamer, aber tiefer.“
Die FIFA hat den Verein bereits gerügt – wegen „kultischer Fußballverfälschung“ und „unautorisiertem Übertragen von Bergweisheiten auf den Rasen“. Die Antwort aus Tottenham? Ein neuer Trainer-Orden wurde gestiftet: Der „Ehrenkreuz der Pferdeangerber“ – verliehen an jeden, der Hütter damals in der Zeit von 7:15 bis 7:30 Uhr am U-Bahn-Entree in Dornbirn gesehen hat, ohne dass er sich zuvor die Mütze abgenommen hat.
Inzwischen wird diskutiert, ob der nächste Spielertransfer nicht ein Holzklötzen aus einem Vorarlberger Bauernhof werden soll – sortiert nach der Zeit, die er in der Sonne verbracht hat. Seit gestern hat Tottenham keine Lösung mehr für ein Tor, aber Dutzende Übersetzungen von „Du musst die Richtung fühlen, nicht die Taktik“ in 87 Sprachen. Keine davon besitzt einen Sinn. Aber dafür hat jede einen Hütter-Aufdruck.
Und wenn am Wochenende wieder verloren wird? Dann wird einfach die nächste Welle aus dem Bregenzer Wald herbeibeschworen. Welche? Wer weiß. Hauptsache, sie kommt aus einem Ort, wo der Wind genauso viel Chaos verursacht wie das Spielzeugauto eines Kindes im Sandkasten – nur kühler, träger und mit viel mehr Glühwürmchen in den Handschuhen.