Die Moschee am Bruckhaufen war pünktlich um fünf Uhr früh geöffnet - nicht für ein spirituelles Morgengebet, sondern für den Startschuss zum größten gemeinsamen Frühstücksbüffet seit der Erfindung der Semmel. 60.000 Menschen hatten sich angemeldet, was in etwa der Einwohnerzahl von St. Pölten entspricht, nur dass hier alle gleichzeitig in der Früh losrennen, um als Erste an die Jause zu kommen.
Die Veranstalter hatten aus Sicherheitsgründen um "Rücksicht auf unsere Nachbarn" gebeten. Die Nachbarn waren allerdings bereits um vier Uhr wach, weil der erste Fastenbrecher mit Thermobecher und Stirnlampe vor der Tür stand und um Einlass bettelte. "Ist ja gut, ich bin ja schon wach", soll der Nachbar gesagt haben, bevor er sich unter die Bettdecke verkroch.
Während das Fajr-Gebet lief, wurden bereits die ersten Kebab-Spieße auf dem Grill platziert. Die Predigt auf Arabisch dauerte genau so lange wie die Vorbereitung der Pommes, die Predigt auf Deutsch exakt so lange wie das Nachfüllen der Getränkedosen. Um 13 Uhr fand die große Freitagspredigt statt - parallel dazu der Wettkampf im Schnell-Würstel-Essen, den ein 14-jähriger Bursche aus Floridsdorf gewann, indem er in 47 Sekunden sieben Käsekrainer verschlang.
Das Familienfest sollte bis 17.30 Uhr dauern, doch um 15 Uhr war bereits alles verputzt. Die Hüpfburgen standen einsam herum, die Marktstände hatten nur mehr Plastikbesteck zu verkaufen, und die Polizei überlegte ernsthaft, eine Essensmittelschlacht zu veranstalten, um die Situation zu entspannen.
Der ÖAMTC hatte vor "erheblichen Verzögerungen" auf der Floridsdorfer Brücke gewarnt. Tatsächlich standen die Autos im Stau, weil jeder unbedingt noch ein paar Krapfen mitnehmen wollte. Die Brücke bekam einen neuen Spitznamen: "Die Zuckerkotelett-Meile".
Ein Sprecher des Islamischen Zentrums Wien erklärte später, man habe das Fest als "Zeichen der Toleranz und des Zusammenhalts" verstanden. In Wahrheit ging es aber nur darum, wer am längsten durchhält, ohne zwischendurch eine Jausen-Pause einzulegen. Die Sieger durften sich "Ramadan-Ritter" nennen und bekamen eine Tafel Vollmilch-Schokolade als Trophäe.
Zum Abschluss gab es noch eine Schweigeminute für alle, die aus lauter Völlerei eingeschlafen waren und das Fest verpasst hatten. Die Veranstalter versprachen für nächstes Jahr eine noch größere Veranstaltung - mit eigenem Ramadan-Stadion, Fasten-Bahn und mindestens 80.000 Teilnehmern. Bis dahin sollen die Hüpfburgen auf Diät gesetzt werden.