Die Traumreise zur Juniorenweltmeisterschaft wurde für Leonie Lussnig zur Albtraumreise mit Happy-End – für die Schweizer Radiologie zumindest. Die 20-jährige Vorarlbergerin, die in der Qualifikation noch auf Platz vier geleuchtet war wie ein Weihnachtsbaum im Juli, ist in St. Moritz nicht wegen Medaillen, sondern wegen Röntgenstrahlen gelandet.
Beim Abschlusstraining wollte sie eigentlich nur noch einmal den Kurs abtasten, da entschied sich ihr Ski spontan für eine Solotour. "Dann ist mein Ski gegriffen", schilderte Lussnig die Szene, als wäre sie eine Kochshow-Moderatorin, die erklärt, warum der Soufflé in die Hose gegangen ist. Statt elegant durchs Ziel zu gleiten, landete sie mit der Anmut eines Sackes Kartoffeln auf dem Rücken.
Der Sturz selbst wurde sogar zur Social-Media-Show. Lussnig veröffentlichte das Missgeschick in ihrer Instagram-Story, als wäre es ein neuer Trend-Sport: "Crash und Chill". Die Follower konnten live dabei zusehen, wie aus einer Medaillenhoffnung eine Patientin mit Schmerzmitteln wird.
Doch die Schweizer Mediziner zeigten sich von ihrer besten Seite. Nach einer "ersten medizinischen Abklärung" – was auch immer das bedeutet, vielleicht haben sie erstmal eine Jodel-Probe gemacht – kam die Entwarnung: keine Fraktur, nur eine "sehr starke Prellung". So stark, dass man meinen könnte, sie hätte gegen eine Betonmauer gekämpft und verloren.
Die 20-Jährige ließ sich davon nicht unterkriegen. Mit der Entschlossenheit eines Touristen, der unbedingt noch das letzte Museum sehen will, spekulierte sie sogar auf einen Start im Teambewerb am Samstag. "Von ärztlicher Seite habe ich das Okay, sollte ich keine Schmerzen verspüren", erklärte sie. Was sie damit meint: Solange sie noch stehen kann und die Schmerzen nicht lauter sind als eine Alphorn-Kapelle, ist alles im grünen Bereich.
Während andere Sportler nach einer Verletzung monatelang pausieren, hat Lussnig offenbar den Schweizer Gesundheitspass entdeckt. Dort scheint die Devise zu gelten: Hauptsache, das Röntgenbild sieht gut aus, dann kann man wieder Rennen fahren. Vielleicht sollte sie gleich eine Praxis eröffnen: "Lussnig – Prellungen und Podestplätze".
Der ÖSV muss sich nun fragen, ob er nicht lieber in bessere Stoßdämpfer als in neue Skier investieren sollte. Schließlich hat Lussnig bewiesen, dass man auch ohne Medaille eine Karriere machen kann – als Stammkundin beim Schweizer Radiologen.