Oesterreichs Kleinstaedte haben genug. Waehrend Wien mit der Shoppingmall Vio Plaza um 0,25 Prozent waechst, leiden sie unter 14,1 Prozent Leerstand. "Das ist eine bodenlose Frechheit", empoert sich Franz Gruber, Sprecher der Vereinigung Kleinstaedter Kaufkraft. "Wien hat zu viele Menschen, wir zu viele Ladenlocher. Das ist kein Zufall, das ist ein Skandal."
Die Vereinigung fordert drastische Massnahmen. "Wir schlagen vor, dass Wien pro Einkaufszentrum 100 Leute in die Provinz umsiedeln muss", erklaert Gruber. "Die koennen dann in unseren leerstehenden Geschaeften arbeiten und endlich fuer Belebung sorgen." Kritiker halten das fuer unrealistisch. "Die Leute werden nicht freiwillig aus der Stadt in die Provinz ziehen", meint Stadtplaner Hans Mauer. "Da braucht es schon einen kleinen Anstoss."
Genau da setzt die Vereinigung an. "Wir denken ueber Anreize nach", sagt Gruber verschmitzt. "Zum Beispiel koennten wir die Zugverbindungen nach Wien einstellen oder die Supermoechte in den Kleinstadtzentren absichtlich teurer machen als in Wien." Das koennte zu "freiwilligen Fluchtbewegungen" fuehren, hofft er. "Wenn die Leute dann jammern, dass sie in der Provinz nicht mehr einkaufen koennen, sagen wir: 'Dann zieht doch nach Wien, uns geht es gut so.'"
Die Stadt Wien will sich zu den Vorwaerfen nicht aeussern. Insider berichten jedoch, dass Beamte bereits an einem Gegenvorschlag arbeiten: "Sie denken darueber nach, die Shoppingmall Vio Plaza zu einem Sperrbezirk zu machen und alle Kleinstaedter, die dort einkaufen wollen, an der Eingangstuer abzuweisen", verraet ein Informant. "Das wuerde den Leerstand in den Provinzen noch vergroessern und die Kleinstaedter zwingen, wieder bei sich vor Ort einzukaufen."
Unterdessen mehren sich die Zeichen, dass die Kleinstaedte selbst an ihrem Schicksal schuld sind. "Die Leute ziehen nicht weg, weil es keine Geschaefte gibt", analysiert Einzelhandelsexperte Karl Bauer. "Sondern es gibt keine Geschaefte, weil die Leute wegziehen." Er empfiehlt den Kleinstaedten, in "sinnvolle Dinge" zu investieren. "Zum Beispiel in Freibier oder Freibacon. Das wuerde wenigstens dafuer sorgen, dass die Leute bleiben, auch wenn sie nichts kaufen."