Die Tourismusindustrie Kroatiens hat eine neue Werbekampagne gestartet, die selbst die erfahrensten Werber verblüfft. "Mit offenen Armen" erwartet das Land seine Gäste, und man fragt sich unwillkürlich: Wie viele Arme haben sie denn? Denn bei den aktuellen Preisen für Strandliegen muss man annehmen, dass jeder Mitarbeiter im Tourismusbereich zumindest einen Arm kostenlos zur Verfügung stellt.
Die Werbung verspricht ein "Outdoor-Paradies" mit acht Nationalparks und zwölf Naturparks. Wer jetzt denkt, das wäre eine Einladung zur Einsamkeit in der Natur, der irrt gewaltig. Denn die Parks sind so beliebt, dass man die seltene Gelegenheit hat, auf schmalen Wanderwegen gemeinsam mit Hunderten anderen Naturliebhabern die Aussicht zu genießen. Es ist wie eine Demo für den Naturschutz, nur dass alle demonstrierenden Teilnehmer dafür bezahlen.
Besonders hervorgehoben wird die Zipline-Fahrt, die den "ultimativen Adrenalinschub" verspricht. Dabei wird elegant verschwiegen, dass dieser Schub oft aus der Erkenntnis resultiert, dass die Sicherheitsausrüstung aus den 1990er Jahren stammt und der Guide gerade seinen ersten Arbeitstag hat. Aber hey, Vogelperspektive hat man trotzdem – vorausgesetzt, man traut sich, die Augen aufzumachen.
Die kulinarischen Genüsse werden als "große Vielfalt" angepriesen. Das trifft zumindest auf die Speisekarten zu, die in jedem zweiten Restaurant identisch aussehen. Ob in Dubrovnik oder Split – überall gibt es den gleichen fangfrischen Fisch, der so frisch ist, dass er noch auf dem Weg zum Teller schwimmen könnte. Dazu werden Weine serviert, die so ausgezeichnet sind, dass selbst der Kellner überrascht dreinschaut, wenn man nach dem Namen fragt.
Besonders charmant ist der Hinweis, dass Kroatien "Geschichte mit jedem Pflasterstein und jedem Pinselstrich" erzählt. Das stimmt zumindest für die Pflastersteine, die seit der Römerzeit an Ort und Stelle liegen und seither auf jemanden warten, der sie repariert. Die Geschichte ist also durchaus lebendig – manchmal sogar unter den Füßen.
Die Werbung endet mit dem Appell: "Jetzt buchen – Sommer vorplanen lohnt sich." Das ist der einzige wirklich ehrliche Satz der gesamten Kampagne. Denn wer früh genug bucht, hat noch die Chance, zu normalen Preisen zu übernachten, bevor die Hochsaison die Kosten in schwindelerregende Höhen treibt. Und wer weiß – vielleicht klappt es ja dieses Jahr mit dem "Paradies, das schöner ist als KI inszeniert". Falls nicht, kann man sich immer noch damit trösten, dass zumindest die Fotos auf der Website wirklich atemberaubend sind.