Als sich der Vorhang im Salzburger Landestheater hebt, ist das Chaos perfekt. Karl Roßmann steht auf der Bühne und hält ein Protestschild hoch: "Ich will nicht mehr nur Liftboy sein!" Die beiden Vagabunden aus Akt 2 haben sich der Aktion angeschlossen und skandieren: "Wir wollen kein Theater von Oklahoma, wir wollen ein anständiges Gehalt!"
Regisseur Markus Wenzel steht fassungslos im Bühnenbereich und versucht verzweifelt, die Schauspieler wieder auf den Text zu bringen. "Aber Karl, du musst doch zum Naturtheater! Das ist doch der ganze Sinn der Handlung!" Doch der junge Aufständische schüttelt den Kopf: "Nein, ich will jetzt mal was anderes machen. Vielleicht Influencer werden oder YouTube-Star."
Die Zuschauer im Parkett sind verwirrt. Ein älterer Herr flüstert seiner Frau zu: "Das ist ja gar nicht wie bei Kafka!" Sie erwidert: "Schatz, bei Kafka gab es auch keine Aufzüge. Das ist eine moderne Interpretation." Im Hintergrund versucht die mysteriöse Frau aus Akt 3, die Aufständischen mit Keksen zu bestechen, während die Schauspieler des "Naturtheaters von Oklahoma" bereits ihre Kündigung eingereicht haben. "Wir machen lieber etwas Seriöses", erklären sie. "Vielleicht eine Fortbildung zum Excel-Experten."
Selbst der Geist Franz Kafkas scheint verwirrt. Er materialisiert sich in einer Wolke aus Rauch und sagt: "Aber ich wollte doch, dass Karl ein Happy End bekommt!" Die Schauspieler werfen ihm einen fragenden Blick zu. "Ja klar", sagt Kafka, "aber nicht dieses Happy End. Ich meine, er sollte irgendwann mal ankommen, nicht vor dem Naturtheater streiken!"
Die Theaterleitung überlegt bereits, die Aufführung abzubrechen. "Wir könnten ja improvisieren", schlägt eine Mitarbeiterin vor. "Karl könnte sich zum Beispiel als Social-Media-Manager im Grandhotel bewerben." Doch die Schauspieler sind uneins. Die Vagabunden wollen eine Gewerkschaft gründen, die Liftboys streiken weiter, und Karl überlegt ernsthaft, ob er nicht doch lieber nach Hollywood gehen sollte.
Am Ende entscheidet sich Karl für einen Kompromiss. Er wird nicht zum Naturtheater von Oklahoma gehen, sondern stattdessen ein Podcast-Format starten: "Der Liftboy-Karl erzählt vom American Dream". Die Zuschauer sind begeistert, Kafka löst sich in Wohlgefallen auf, und das Landestheater überlegt, die Aufführung als neue Erfolgsform des "Hyper-Kafka-Theaters" zu vermarkten. Denn eins ist klar: In Zeiten von TikTok und Instagram muss selbst Kafka modern werden.