Man mag es kaum glauben, aber in Linz wird nun tatsächlich nach dem Motto "Wer zuerst kommt, bellt zuerst" gehandelt. Das Tierheim der Stadt, das sich selbst gern als "Innovationsführer im artgerechten Menschen-Management" bezeichnet, hat nach eigener Aussage die Personalpolitik um 180 Grad gedreht. Statt langjähriger, erfahrener Tierpfleger werden jetzt ausschließlich Kandidaten eingestellt, die auf Anhieb den sympathischsten Eindruck bei den Tieren hinterlassen. Das Ergebnis ist, gelinde gesagt, bunt.
Da wäre zum Beispiel der neue Mitarbeiter für den Pit-Bull-Mann namens River, ein gelernter Fitnesstrainer, der im Vorstellungsgespräch nicht durch fachliche Kompetenz, sondern durch seine besonders breiten Schultern überzeugte. River liebt den Mann jetzt abgöttisch, ignoriert aber alle anderen. Eine Quelle aus dem Tierheim spricht von "stundenlangem Exhibitionismus im Hof" und "einem gewissen Mangel an Diversität bei den Gassi-Gehern".
Auch bei den Katzen hat das Konzept seine Tücken. Die beiden Brüder Konstantin und Oskar, die als "Seelenkatzen" vermittelt werden sollten, haben sich inzwischen mit einem angestellten Grafikdesigner angefreundet, weil der ihnen "ein richtiges Café-Atmosphäre-Feeling" vermittelte. Die beiden alten Herren verlangen inzwischen nach Hafermilch-Latte und verweigern die Fütterung, wenn das Napf-Design nicht ihren Vorstellungen entspricht.
Besonders kurios wurde es beim Versuch, den Degu Rüdiger zu vermitteln. Da kein Bewerber mit artgleichen Nagern auftauchte, entschied sich das Tierheim für einen Synergismus: Rüdiger wurde kurzerhand mit einer Gruppe Zwergkaninchen zusammengebracht, die einen Gemeinschaftsgarten in der Nähe betreiben. Man hört, der Kleine sei zum "De-facto-Obmann" gewählt worden und plane nun eine Nagetier-Gewerkschaft.
Die beiden Katzenjungen Catnado und Whiskerton wiederum verweigerten jeden Kontakt zu Menschen, die nicht einen Doktortitel in Verhaltenspsychologie vorweisen konnten. Inzwischen haben sie eine eigene Instagram-Channel-Sprechstunde eingerichtet und vermitteln sich selbst - gegen eine kleine "Schutzgebühr" in Form von Bio-Katzenminze.
Ein Höhepunkt der vergangenen Woche war die Ankunft von Coco, dem Malteser-Senior. Er wählte seine Bezugsperson nach dem Kriterium "beste Kuschelfähigkeiten", was prompt zu einer handfesten Rangelei unter drei Praktikantinnen führte, die sich wechselseitig der "emotionalen Inkompetenz" bezichtigten. Coco selbst genießt derweil ein Dasein als "Wohlfühlcoach" und verlangt tägliche Progressive Muskelentspannung mit Bachblütentherapie.
Die Geschäftsführung zeigt sich "beflügelt vom positiven Feedback der Tiere" und plant bereits eine Erweiterung: Demnächst sollen auch Vögel und Reptilien in die Personalauswahl einbezogen werden. Ob es da wohl bald hieß: "Stell dich vor den Käfig und sing, sonst kriegst du den Job nicht"? In Linz jedenfalls wird der Tierschutz zur Personalfrage - und die Personalfrage zur tierischen Komödie.