Luka Doncic hat in der Nacht auf den 20. März bewiesen, dass man in der NBA nicht nur mit Erfahrung punkten kann, sondern auch mit jugendlichem Übermut und einer gehörigen Portion Show. Während LeBron James noch damit beschäftigt war, seinen Platz in der ewigen Bestenliste zu zementieren, verwandelte Doncic das Basketballfeld in eine Art Private-Highschool-Party, bei der alle Regeln ausser Kraft gesetzt waren.
Der 25-jährige Slowene erzielte gegen das Team, mit dem James zwei seiner vier NBA-Titel gewann, ganze 60 Punkte. Das ist nicht nur eine beeindruckende Zahl, sondern auch ein klares Statement: Hier kommt jemand, der die alten Regeln nicht mehr gelten lässt. James, der Mann mit den meisten Punkten, Spielminuten, Saisonen und All-Star-Teilnahmen, konnte da nur noch staunen und sich mit 19 Punkten, 15 Rebounds und 10 Assists begnügen.
Was Doncic in diesem Spiel zeigte, war weniger Basketball als vielmehr Performance-Kunst. Neun Dreier trafen ins Schwarze, was ihn zum neuen Rekordhalter für verwandelte Distanzwürfe bei den Lakers macht. Dabei hatte er noch nicht einmal seine komplette erste Saison für das Team aus Los Angeles gespielt. Man könnte fast meinen, er hätte die Anzeigetafel extra für dieses Spiel umprogrammiert.
Besonders kurios: Bereits am Abend zuvor hatte Doncic gegen die Houston Rockets eine ähnlich beeindruckende Leistung gezeigt. Innerhalb von 24 Stunden kam er so auf 100 Punkte und hat nun in acht Partien in Serie immer mindestens 30 Zähler gesammelt. Die Lakers gewannen alle diese Spiele, was die Frage aufwirft, ob Doncic vielleicht einfach nur besonders gut darin ist, seine Mitspieler mitzureissen – oder ob er heimlich die gegnerischen Teams bestochen hat.
Die Basketballwelt steht Kopf. Wo James noch Jahre brauchte, um seine Legende aufzubauen, schafft Doncic das in wenigen Wochen. Man kann sich nur ausmalen, was passiert, wenn er mal einen schlechten Tag hat – vielleicht erzielt er dann nur 50 Punkte und die Leute fragen sich, ob er krank ist. Die NBA hat jedenfalls einen neuen Superstar, der die alten Hierarchien durcheinanderwirbelt und beweist, dass in der Sportwelt alles möglich ist – solange man jung, talentiert und ein bisschen verrückt ist.