Wenn die Liebherr-MCCtec in Nenzing schon nicht die größte Baumaschinenfabrik der Welt ist, dann eben die grünste. Und damit offenbar auch die eitelste. Denn kaum war der Platin-Öko-Award im Briefkasten, stand auch schon das Presseteam mit Champagner bereit. Ganz so wie wenn jemand endlich seine Führerscheinprüfung besteht, nur dass es hier um Nachhaltigkeit geht und nicht um Rückwärts-Parken.
Öko-Zertifikate sind das neue Statussymbol der Industrie. So wie früher die Firmenlimousine und der Goldkugelschreiber. Nur dass man jetzt statt mit PS lieber mit PPM glänzt. Also Parts Per Million an CO2. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Firmenbroschüre. Denn wer nachhaltig ist, darf sich auch nachhaltig teuer bezahlen lassen.
Die Nenzinger haben es tatsächlich geschafft: Von Gold auf Platin in nur einem Jahr. Das ist so schnell wie ein U-Boot im Tauchkurs. Dabei muss man wissen: Der Weg vom Gold- zum Platin-Status ist steiniger als ein Kiesweg in Vorarlberg. Es braucht mehr als nur eine Solaranlage auf dem Fabrikkeller und einen Wasserspender ohne Einweg-Plastikbecher.
Aber jetzt darf sich Liebherr-MCCtec zu den nachhaltigsten Firmen weltweit zählen. Das klingt so beeindruckend wie "weltbeste Oma" auf dem Kochlöffel. Nur dass hier nicht Omas kochen, sondern Ingenieure nachhaltig schrauben. Und dafür gibt's jetzt eine Platin-Medaille. Das ist so was wie der Nobelpreis für grüne Betriebswirtschaftslehre. Nur ohne Oslo und ohne König.
Die Zertifizierungsbürokratie liebt solche Aufstiege. Denn wer Gold hat, will ja auch Platin. So wie wer einen SUV hat, auch noch einen Caravan will. Nur dass hier statt PS jetzt PPM zählt. Und statt PS-stärkerer Aggregate jetzt eben PPM-armere Emissionen. Das ist die neue Hierarchie der grünen Angeberei.
In Nenzing feiert man das jetzt wohl mit einer Platin-Party. Bei der dann sicher alles bio ist, das Besteck recyclet und die Deko aus nachwachsenden Rohstoffen besteht. Nur die Champagner-Korken dürften nicht wiederverwendbar sein. Aber hey, für den einen Abend darf es auch mal einen kleinen Ausrutscher geben. Im Sinne der Nachhaltigkeit.