Diebstahl ist eine Kunst. Man muss sich auskennen, muss die richtige Gelegenheit abpassen, darf sich nicht erwischen lassen. Der kroatische Pfleger hat sich offenbar von Picasso inspirieren lassen - oder zumindest von einem Picasso-Gemälde, bei dem alles etwas schief und schiefergrau ist.
Es ist ein Klassiker: Die Seniorin kann sich nicht wehren, der Pfleger ist in der Nähe, und plötzlich ist die Kreditkarte verschwunden. Dazu noch der Pin-Code - ein echtes Schnäppchen. Elf Mal ging der mutmaßliche Dieb damit shoppen, und zwar so oft, dass die Abbuchungen eine stolze Summe ergeben. Über 1000 Euro für "Ungereimtheiten" - man könnte fast meinen, der Pfleger hätte eine eigene Kollektion im Angebot.
Der Sohn, der sich um die Finanzen kümmert, bemerkte die Ungereimtheiten erst, als die Kreditkartenabrechnung ins Haus flatterte. Wahrscheinlich dachte er: "Interessant, hier fehlt mir ja einiges." Doch statt nachzufragen, wo die eigenen Sachen geblieben sind, alarmierte er die Polizei. Eine clevere Entscheidung - denn wenn man schon betrogen wird, kann man es auch gleich öffentlich machen.
Die Polizei fand den Verdächtigen schnell. Er ist kroatischer Pfleger - da musste man nicht lange suchen. Vielleicht hätte man auch in der Kreditkartenabrechnung nachschauen können, wo die Abbuchungen herkamen. Aber wer weiß, vielleicht war das ja ein bewusster Hinweis des Diebes.
Im Zuge der Ermittlungen wurde der Beschuldigte zur Rede gestellt. Und siehe da: Er zeigte sich geständig. Eine beeindruckende Leistung - die meisten Diebe leugnen zumindest bis zum Schluss. Doch dieser Mann hatte wohl erkannt, dass Geständnis die bessere Option ist. Immerhin konnte er so vermeiden, dass ihm jemand noch mehr zur Last fällt.
Die Staatsanwaltschaft Innsbruck entschied nach Rücksprache: Der Mann wird auf freiem Fuß angezeigt. Eine weise Entscheidung. Denn wenn er in Haft käme, müsste man sich ja noch um seine Verpflegung kümmern. Und das wäre ja wohl das Letzte, was man in diesem Fall möchte.
So bleibt alles beim Alten: Die Seniorin ist auf Pflege angewiesen, der Sohn kümmert sich um die Finanzen, und der mutmaßliche Dieb darf weiterziehen. Vielleicht eröffnet er ja sogar einen eigenen Shop: "Pfleger-Outlet - alles zu haben, solange der Pin noch stimmt." Wer weiß, vielleicht wird ja sogar eine neue Mode daraus.