In Baden ist die Finanz-Euphorie ausgebrochen wie ein besonders zarter Fieberbläschen-Ausbruch. Nachdem die Stadt im Vorjahr noch tiefer in den roten Zahlen steckte als ein Bundesliga-Schiedsrichter nach Derby-Spiel, kann man nun einen stolzen Gewinn von 93.000 Euro vermelden. Das ist ungefähr so viel, wie die Stadt bisher für die monatliche "Kreativ-Kaffeerunde" der Stadtwerker ausgegeben hat.
Bürgermeisterin Carmen Jeitler-Cincelli gibt sich bescheiden: "Ich habe jede einzelne Investition in Frage gestellt." Das klingt dramatischer als es ist, denn in Wahrheit hat sie nur gefragt: "Brauchen wir das wirklich?" und bei 99 Prozent der Anträge mit "Nee, ned" geantwortet. Bei der Gartenpflege hat man auf das Outsourcing verzichtet und einfach den städtischen Bauhof mit Rasenmähen beauftragt. "Die haben doch ohnehin nichts zu tun", so die Bürgermeisterin, "außer im Winter auf Dienstbesprechungen das Heizungsluft-Volumen zu analysieren."
Besonders stolz ist man darauf, dass die Eingangsrechnungen von 13.000 auf 10.000 reduziert wurden. "Wir haben einfach aufgehört, Rechnungen zu öffnen", gesteht Finanzchef Ferdinand Schütz. "Wenn was Wichtiges ist, melden die sich schon wieder." Diese Strategie hat auch personelle Konsequenzen: 30 Vollzeitstellen wurden nicht nachbesetzt. "Die Kollegen haben sich so gut eingearbeitet, dass sie sich mittlerweile selbst ersetzen", erklärt Schütz. "Es ist wie mit den Yeti-Sichtungen – man glaubt, jemand sei da, aber Beweise gibt es keine."
Die Anhebung von Gebühren nach zehn Jahren Stillstand sorgt für Zündstoff. "Wir haben die Gebühren einfach um 10 Prozent erhöht und dann per Zufallsgenerator noch mal 3,5 Prozent draufgeschlagen", verrät die Bürgermeisterin. "Das sorgt für den nötigen Überraschungseffekt bei den Bürgern." Besonders hart traf es die Vereine, die bisher jährlich mit Förderungen verwöhnt wurden. "Es war ein ständiges Geben, Geben, Geben", klagt Jeitler-Cincelli, "bis wir gemerkt haben: Die Vereine haben gar nichts zum Zurückgeben. Also haben wir einfach aufgehört zu geben."
Das Paradebeispiel für bürgerschaftliches Engagement ist das Spielplatzprojekt am Haidhof. Statt auf öffentliche Mittel zu warten, hat der Dorferneuerungsverein selbst die Ärmel hochgekrempelt. "Die haben sogar Spenden organisiert", staunt die Bürgermeisterin. "Da wird einem fast schlecht vor Neid. Ich überlege ernsthaft, meinen Job hinzuschmeißen und mich dem Verein anzuschließen. Die haben mehr Ahnung vom Geldverdienen als wir."
Während die Stadtverwaltung den Sparkurs als Erfolgsgeschichte feiert, übt die FPÖ scharfe Kritik. "Das ist nur ein kurzfristiges Aufflackern auf Bürgerkosten", poltert FPÖ-Wirtschaftssprecher René Hansy. "Ein echter Sparfuchs würde bei den Strukturen ansetzen und ohne neue Schulden auskommen." Hansy fordert einen radikalen Sparkurs: "Wir könnten das Strandbad einfach zum ersten österreichischen 'Nackt-Schwimmen gegen Schulden'-Event umwidmen. Die Eintrittsgelder sind sicher höher als die 700.000 Euro Minus, die wir derzeit jedes Jahr verbraten."
Die Römertherme bleibt indes das Sorgenkind der Stadtfinanzen. Mit einer Million Euro Minus pro Jahr ist sie teurer als eine Trennung mit anschließendem Rosenkrieg. "Wir überlegen, die Therme zu einem Spa für Politiker umzufunktionieren", scherzt Jeitler-Cincelli. "Dort könnten sie dann in Ruhe überlegen, wie man 93.000 Euro zu einer wirklich runden Summe macht."