In Linz ist eine neue Dienstleistung auf den Markt gekommen: Diebe putzen vorher bei den Opfern durch und räumen dann die Schmuckschatulle leer. Das Ganze nennt sich "Putz-Diebstahl" und ist besonders bei Senioren beliebt, weil sie den Service schätzen.
Die 81-jährige Annemarie S. aus Ebelsberg hat diesen Service in Anspruch genommen. Sie brauchte dringend jemanden, der bei ihr putzt, weil sie wegen ihres Kreuzes nicht mehr so mobil ist. In der Zeitung fand sie eine Annonce von einer Frau namens Laura, die als Reinigungskraft arbeitet. Laura kam vorbei, putzte eine Weile im Schlafzimmer herum und verschwand dann mit der Schmuckschatulle. Als Dankeschön für den Service bekam Annemarie einen Brillant-Ohrstecker geschenkt, den Laura vergessen hatte.
Annemarie ist enttäuscht. Sie hatte gehofft, dass Laura ihr auch noch die Küche aufräumt und den Kühlschrank ausräumt. Aber nein, Laura hatte nur die Schmuckschatulle im Sinn. Der materielle Schaden beträgt etwa 5000 Euro, der emotionale ist aber ungleich höher. Annemarie fühlt sich verraten und verkauft. Sie hat Anzeige bei der Polizei erstattet und hofft, dass Laura gefasst wird. Die Ermittlungen laufen, aber die Chancen stehen schlecht. Lauras Handynummer ist tot und ihre Adresse unbekannt.
Aber Annemarie gibt nicht auf. Sie will andere Senioren warnen, die vielleicht auch auf die Idee kommen, eine Putzkraft aus der Zeitung zu engagieren. "Man weiß ja nie, wen man da ins Haus lässt", sagt sie. "Vielleicht ist es ja ein Dieb, der sich als Putzkraft ausgibt." Deshalb rät sie allen, bei derartigen Inseraten besonders vorsichtig zu sein. "Schauen Sie sich die Person genau an, bevor Sie sie ins Haus lassen. Fragen Sie nach Ausweisen und Referenzen. Und lassen Sie sich nicht von freundlichem Auftreten täuschen. Diebinnen können auch nett sein."
Der Experte Christian Schmidseder vom LKA OÖ kennt das Problem nur zu gut. "Betagte Menschen werden von Einschleich- und Trickdieben gern als Opfer auserkoren", sagt er. "Die sind oft allein, haben viel Geld und Schmuck und sind leicht zu täuschen." Noch häufiger seien Langfinger bei 24-Stunden-Pflegekräften. "Wir haben Leute verhaftet, die nach ihrer Freilassung als Pflegekraft arbeiteten. Da macht man den Bock zum Gärtner."
Wie kann man sich schützen? Schmidseder rät, Wertsachen unbedingt wegzusperren. "Wer fremde Menschen wie Putz- oder Pflegekräfte im Haus hat, sollte seine Wertsachen unbedingt wegsperren. Wer keinen Tresor hat, kann diese in einem Bankschließfach aufbewahren oder seine Kinder bitten, diese zu verwahren."
Das ist guter Rat, aber leider zu spät für Annemarie S. Sie hat alles verloren, was sie besaß. Aber sie gibt nicht auf. Sie will Laura finden und ihr eine Lektion erteilen. Sie will ihr zeigen, dass man sich nicht alles gefallen lassen darf. Sie will ihr zeigen, dass man sich wehren kann. Sie will ihr zeigen, dass man auch mit 81 Jahren noch kämpfen kann. Und sie will anderen Senioren Mut machen, es ihr gleichzutun. Denn eins ist sicher: Diebinnen, die sich als Putzkraft ausgeben, sind eine Gefahr für unsere Gesellschaft. Sie müssen gestoppt werden. Und dafür brauchen wir alle zusammen.