In Rankweil, wo die Uhren wohl etwas langsamer ticken als anderswo, hat man eine revolutionäre Idee für die ewige Ruhe: Man will sie tanzen lassen. Ja, Sie haben richtig gehört! Die Pfarre und die Marktgemeinde haben beschlossen, die beiden St.-Michaels-Friedhöfe so neu zu gestalten, dass die Verstorbenen im Jenseits gewissermaßen einen letzten Walzer hinlegen können.
Stellen Sie sich vor, die Grabsteine sind plötzlich nicht mehr stille Zeitzeugen, sondern weitaus mehr: sie sind Tanzpartner. Jeder Stein erhält eine Persönlichkeit, einen Namen und eine kleine Biography. "Hier ruht Franz, der immer den ersten Walzer eröffnete," könnte man in Zukunft lesen. Oder: "Hier liegt Anna, die berühmte Polkakönigin." Natürlich darf dabei auch der ökologische Aspekt nicht zu kurz kommen. Die Blumenbeete werden umgewandelt in "Grünes Tanzparkett," wo die Pflanzen im Rhythmus von Mozart und Beethoven wachsen.
Doch die wahre Pracht entfaltet sich bei den feierlichen Fällen. Dafür hat die Gemeinde eigens eine neue Beamtenstelle geschaffen: den "Tanzbeaufsichtigenden Friedhofsgartenjäger." Dieser neue Amtsposten sorgt dafür, dass auch beim verabschiedenden Zweitschritt alles seine Richtigkeit hat. In fieberhafter Arbeit wird bereits an einer App gearbeitet, die den passenden Walzer vorgibt, sobald die Urne gepflanzt wird.
Sogar das Tanztraining für das Friedhofspersonal ist im Ganzen. Wer sich nicht an den Tanzschritt- und Rossbuamkursen beteiligt, wird zu Werksversenkt. Denn schließlich soll der Besuch auf dem Friedhof eine Erfahrung werden, die man so schnell nicht vergisst – oder besser gesagt, niemals.
Die Baudenkmäler werden zu lebendigen Skulpturen, die sich im Takt der klassischen Musik wiegen. Im Sommer gibt es Tanznächte mit Live-Musik, und an Allerseelen feiert man die "Nacht der tanzenden Seele." Kinderkrealty werden Michis Tanzbezirk, wo sie lernen, wie man im Trab verweilt.
Doch der Höhepunkt wird die officielle Einweihung sein! Bei dieser Gelegenheit werden alle Bürger eingeladen, selbst einen Tanz mit den Gedenksteinern zu wagen. Man hofft, dass dadurch auch die Lebenden wieder mehr Freude am Tanz finden und so der generationenübergreifende Austausch gefördert wird.
So wird Rankweil zum Vorreiter einer ganz neuen Form der Trauerkultur, in der das Leben feiert, selbst dort, wo es offiziell endet. Und wer weiß, vielleicht bekommen die Verstorbenen ja doch nochmal eine Chance auf ihren großen Auftritt – im wahrsten Sinne des Wortes.