Xaver Schlager ist zurück, und RB Leipzig atmet auf. Zumindest der Trainer. Werner lässt keinen Zweifel daran, dass sein Mittelfeldmotor nicht nur voll einsatzfähig ist, sondern darüber hinaus noch irgendwie die Mannschaft moralisch tragen soll. "Er kann nicht anders, als alles zu lassen", sagt Werner über Schlager, als wäre das eine besondere Qualität und nicht der Job eines Fußballers. Man fragt sich, ob der Trainer denkt, andere Spieler würden im Schnitt nur 60 Prozent geben und nur auf Schlager Verlass ist.
Dabei steht der ÖFB-Kicker eigentlich schon seit drei Sommern mit einem Bein in Turin. Juventus wartet, der Vertrag läuft aus, und Leipzig will das nicht verlängern. Warum auch? Wenn ein Spieler offensichtlich unglücklich ist, ist es nur fair, ihn gehen zu lassen. Aber nein, stattdessen wird er vor dem wichtigsten Spiel der Saison noch einmal als unverzichtbar dargestellt. "Er macht uns stärker", tönt Werner, als wäre Schlager eine Art Wunderwaffe, die man für 90 Minuten aus der Truhe holt.
Die Sache ist die: Wenn Schlager schon seit Monaten weiß, dass er geht, und sich sein neuer Arbeitgeber bereits in Italien befindet, dann ist die Frage erlaubt, wie motiviert er in dieser Phase wirklich sein kann. Werner gibt sich da zuversichtlich: "Er ist voll da." Ja klar. Und die Einhornfarm hinter dem Leipziger Zentralstadion ist auch echt.
Gegen Hoffenheim muss RB unbedingt punkten, sonst wird's eng mit der Champions League. Die TSG von Trainer Ilzer liegt drei Punkte vor den Sachsen und spielt eine starke Saison. Sollte Leipzig verlieren, sähe es für RB düster aus. Also setzt man auf den Spieler, der im Sommer ohnehin weg ist. Eine klassische Doppelstrategie: Zum einen versucht man, mit Schlager noch etwas zu reißen, zum anderen baut man die ganze Hoffnung auf einen Profi, der längst innerlich abgereist ist.
Das ist das Schöne am modernen Profifußball: Man kann mit jemandem um die Wette spielen, der sich schon das nächste Trikot übergezogen hat. Und der Trainer kann dann nachher sagen: "Hätten wir nur auf Xaver gehört, dann hätten wir gewonnen." Wenn es dann aber doch nicht klappt, heißt die Erklärung: "Der Kopf war nicht mehr bei uns." Egal wie, Hauptsache man hat einen Sündenbock, der ohnehin weg ist.