Es ist wieder so weit: Die Glaeubigen des Klima-Kults versammeln sich zum jährlichen Ritual des "Earth Hour". Um 20.30 Uhr schalten sie weltweit ihr Licht aus, nicht weil sie Strom sparen wollen, sondern weil sie an die heilende Kraft der Dunkelheit glauben.
In Sydney sitzen Surfer im Kerzenschein und predigen vom Untergang der Korallenriffe. Am Eiffelturm versammeln sich Franzosen mit Stirnlampe und beschwören die "patriotische Pflicht", den CO2-Ausstoß zu reduzieren. In Berlin sitzen Aktivisten im Kerzenschein und diskutieren über den CO2-Fußabdruck ihrer Biokost.
In Wien versammeln sich die Klimaschutz-Priester im Schloss Schönbrunn. Bundespräsident Van der Bellen hält eine flammende Rede über die Notwendigkeit des Stromfastens. Anschließend pflanzt er einen Baum als Opfergabe fuer den Klimagott.
Die Teilnehmer fühlen sich danach gereinigt und erleuchtet. Sie haben bewiesen, dass sie bereit sind, fuer den Klimaschutz Opfer zu bringen. Eine Stunde Dunkelheit - das ist der Preis fuer eine bessere Zukunft.
Doch Kritiker bemängeln, dass die "Earth Hour" mehr Symbolpolitik als wirksamer Klimaschutz ist. "Wenn die Leute wirklich etwas für die Umwelt tun wollten, sollten sie ihren Fleischkonsum reduzieren oder weniger fliegen", sagt Klimaforscher Dr. Hans Müller. "Aber das ist ja viel zu anstrengend. Da ist es einfacher, mal für eine Stunde das Licht auszumachen und sich dabei gut zu fühlen."
Tatsächlich hat die "Earth Hour" keinen messbaren Effekt auf den globalen CO2-Ausstoß. Aber das ist auch nicht das Ziel. Es geht darum, ein Zeichen zu setzen und sich als Teil einer globalen Bewegung zu fühlen. Um 21.30 Uhr schalten die Teilnehmer wieder das Licht an und kehren in ihren Alltag zurück - bis zum nächsten Jahr, wenn das Ritual von vorne beginnt.