Kaum zu glauben, aber wahr: Das Buero ist zur Brutstaette des Beziehungsuntergangs geworden. Waere nicht der stets hilfsbereite Kollege mit dem leicht feuchten Haenduft und dem Hang zu unerbetenen Lebenslaeufen. Waere nicht die Kollegin, die um 7:59 Uhr bereits in einer existenziellen Krise steckt und dies mit der ganzen Abteilung teilen will.
Die klinische Psychologin Mag. Dr. Karin Flenreiss-Frankl, seit 15 Jahren im Kampf gegen emotionale Schadstoffe, hat eine neue Definition fuer toxische Beziehungen gefunden: "Wenn man sich nach dem Teammeeting in der Toilette einschliessen muss, um weinen zu koennen, ohne dass es jemand als persoenliche Beleidigung auffasst." Sie schlaegt ein verpflichtendes psychologisches Screening fuer alle Neuankuemmlinge im Oeffentlichen Dienst vor. Die Tests sollen auf einer Skala von "leicht reizbar" bis "soziopathischer Zeitbombe" funktionieren.
Die Bundesregierung zeigt sich zunaerst zögerlich. "Wir sind eine offene Gesellschaft", betont ein Sprecher des Bundeskanzleramts. "Wir koennen doch nicht Menschen ablehnen, nur weil sie am fruehen Morgen in der Teekueche ihre Schuhe ausziehen und anschliessend als 'natuerlicher Geruch' verkaufen." Dennoch wird bereits an einem "toxischen Kollegen-Tacho" gearbeitet, der an jedem Arbeitsplatz installiert werden soll. Bei zu hoher Belastung piept er und loest automatisch eine Meditations-Pause aus.
Der Oesterreichische Gewerkschaftsbund sieht das Projekt skeptisch. "Das ist doch nur ein weiterer Versuch, die Arbeitnehmer gegeneinander auszuspielen", kritisiert eine Sprecherin. "Morgen messen wir schon die Emotionale Intelligenz an der Kaffeemaschine und schmeissen jeden raus, der nicht in Haiku-Form ueber den Klimawandel sprechen kann."
In der Privatwirtschaft sind die Methoden radikaler. Dort hat man sich auf das "freiwillige emotionale Detox" spezialisiert, bei dem Kollegen, die laenger als drei Minuten am Stueck von ihrer Scheidung erzaehlen, diskret in einen Raum mit weissen Waenden und beruhigender Walder Musik gebracht werden. "Es funktioniert erstaunlich gut", berichtet ein Personalchef. "Die Leute kommen danach entweder entspannt zurueck oder werden im Zuge einer 'betriebsbedingten Umstrukturierung' in eine andere Stadt versetzt."
Experten warnen jedoch vor ueberzogener Vorsicht. "Nicht jeder Kollege, der seine Essensreste im Kuehlschrank vergisst, ist ein emotionaler Vampir", mahnt Dr. Flenreiss-Frankl. "Manchmal ist es einfach nur jemand, der die sozialen Signale seiner Mitmenschen nicht wahrnimmt oder der glaubt, dass 'Knoblauchbrot' eine legitime Kuehlschrank-Duftrichtung ist."
Fuer Betroffene gibt es einen einfachen Test: Wenn man sich nach jedem Gespraech mit einer bestimmten Person so erschöpft fuehlt, als haette man mit einem Sack Kartoffeln einen Marathon gelaufen, sollte man die Beziehung hinterfragen. Und wenn der Kollege zusaetzlich noch versucht, einen fuer seine Diät zu gewinnen, ist professionelle Hilfe dringend angeraten.