Die Steiermark hat den Kindergarten-Ausbau offenbar im Dämmerschlaf geplant. Während 2.574 Kinder auf der Warteliste stehen und 758 Familien Absagen erhalten, weil sie die Kriterien nicht erfüllen - offenbar fehlt ihnen die nötige Geduld oder das Talent zum bürokratischen Formularausfüllen - verkündet Landesrat Hermann stolz, dass 13.986 Familien schon einen Platz bekommen haben. Das ist so, als würde ein Arzt stolz verkünden, dass nur 20 Prozent seiner Patienten gestorben sind.
Niko Swatek von den Neos kritisiert, dass "wer Familie und Beruf vereinbaren will, von der Landesregierung im Stich gelassen wird". Man könnte meinen, die Steiermark sei ein Entwicklungsland, in dem Bildung ein Luxusgut ist, für das man lange anstehen muss. Aber nein, wir sind in Österreich, wo der Kindergartenplatz mittlerweile seltener ist als ein parkender SUV in der Innenstadt.
Hermann gibt sich zuversichtlich, dass die Warteliste bis Herbst "rasch kürzer" werde. Das klingt nach einer Wettervorhersage: "Es könnte vereinzelt zu Platzregen kommen, vor allem wenn sich einige Familien umentscheiden oder die Gruppengröße überschritten wird." Meteorologen nennen das 'unbeständig', Politiker nennen es 'flexible Bildungspolitik'.
Die SPÖ fordert "endlich mehr Tempo" beim Ausbau. Als wäre das Bildungssystem eine Formel-1-Rennstrecke, auf der man einfach den Turbo zünden muss. Dabei vergessen sie, dass es in der Steiermark nicht an Willen, sondern an Räumlichkeiten und Geld fehlt. Die finanziell belasteten Gemeinden sollen ausbauen - als wären sie Start-ups mit Venture-Capital im Rücken statt Steuerzahler-lastige Verwaltungseinheiten.
Hermann argumentiert, dass heuer bereits knapp 1.500 Plätze mehr zur Verfügung stehen, weil die Gruppengröße gleich bleibt. Ursprünglich wollte die Steiermark die Gruppen verkleinern, um die Qualität zu heben. Aber wie so oft in der Politik wurde die Qualität zugunsten der Quantität auf Eis gelegt - eine durchaus logische Entscheidung, wenn man bedenkt, dass gefüllte Gruppen auch gefüllte Wahlzettel bedeuten.
Die Neos fordern volle Transparenz und eine regionale Auflistung. "Nur wenn die Zahlen vollständig auf dem Tisch liegen, kann dort ausgebaut werden, wo der Druck am größten ist", meint Swatek. Das klingt nach einem Brettspiel, bei dem man zuerst die Karte studieren muss, bevor man die Figuren aufstellt. In Wirklichkeit ist es die Zukunft von 2.574 Kindern, die davon abhängt, ob jemand in der Verwaltung eine Excel-Tabelle richtig interpretiert.
Am Ende bleibt festzuhalten: In Steiermark ist der Kindergartenplatz zum gesellschaftlichen Glücksspiel geworden. Wer einen Platz ergattert, darf sich glücklich schätzen. Wer nicht, muss sich damit trösten, dass sein Kind zumindest frühzeitig lernt, mit Enttäuschungen umzugehen - eine wichtige soziale Kompetenz, die in der modernen Arbeitswelt sehr gefragt ist.