Franz Dorner, der Mann, der sich dachte "Wisst ihr was, ich baue einfach mal den größten Windpark Kärntens auf 1600 Metern Höhe", hat offenbar eine Vorliebe für Schachfiguren. Denn so wie beim Schach muss auch beim Windpark am Bärofen die Hälfte der Zeit darauf warten, dass sich der Boden auftaut. "Wir befinden uns aktuell in der Winterpause", sagt er mit der Begeisterung eines Menschen, der gerade festgestellt hat, dass sein Kühlschrank kaputt ist.
20 Zentimeter Schnee auf der Baustelle - da fragt man sich natürlich: Warum nicht einfach die Windräder auf Skiern bauen? Das wäre doch mal innovativ. Stattdessen wartet man auf den "Baustart für Anfang April", als ob das Wetter in Kärnten jemals einen Plan einhalten würde. Aber hey, immerhin sind wir "voll im Zeitplan", was in diesem Fall bedeutet: Wir haben noch 75% der Bauzeit mit Schnee verbracht.
Die acht Windräder sollen 25.000 Haushalte versorgen. Das ist eine beeindruckende Zahl, vor allem wenn man bedenkt, dass sieben dieser Haushalte wahrscheinlich die Wohnungen der Projektverantwortlichen sind. Die restlichen 24.993 Haushalte müssen sich wohl damit begnügen, dass ihnen die Windräder aus der Ferne zuzwinkern.
Die 18 Kilometer lange Leitung ins Tal wird unterirdisch verlegt. Das ist natürlich eine tolle Nachricht für alle Maulwürfe in der Region, die sich jetzt über neue unterirdische Einkaufspassagen freuen können. Gleichzeitig verlegt die Kelag Kabel für schnelleres Internet - weil nichts so gut zu Windrädern passt wie ein schneller Download der nächsten Folge von "Bauer sucht Frau".
Die Kritiker sind natürlich empört. Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Vereine haben etwas gegen den Windpark. Dabei sind das vermutlich genau dieselben Leute, die sich über die Energiekriese beschweren und gleichzeitig gegen jede Lösung sind. Die perfekte Mischung aus Jammern und Blockieren - das ist österreichische Effizienz.
Der bisherige Bauverlauf gestaltet sich "äußerst positiv", sagt man bei Püspök. Das ist natürlich eine sehr flexible Definition von "positiv", ähnlich wie wenn man sagt, dass eine Wurzelbehandlung "etwas unangenehm" war. Die ersten Teile der Windräder werden "voraussichtlich Anfang Juli" geliefert - also genau dann, wenn der erste Schnee wieder fällt und die nächste Winterpause beginnt.
Man muss Franz Dorner und seinem Team zugutehalten, dass sie durchhalten. In einem Land, wo ein Bauprojekt im Schnitt 17 Jahre dauert, ist ein Windpark in unter zwei Jahren fast schon olympiareif. Die wirkliche Kunst wird sein, die Windräder bis Ende 2026 in Betrieb zu nehmen - das ist etwa so realistisch wie die Einhaltung einer Diät über Silvester. Aber wer weiß, vielleicht schaffen sie es ja. Dann können wir alle stolz darauf sein, dass wir 25.000 Haushalte mit Energie versorgen, die zu 90% aus Geduld und zu 10% aus Wind besteht.