Es war ein Abend der klaren Strukturen und eindeutigen Messgrößen – kein Wunder, dass im Basel-Stadion plötzlich auch ein kleiner KPI-Baum installiert wurde, der bei jedem Tor leicht wackelte, als hätten ihn gestern Nachmittag bereits Zwei-Drittel-Mitarbeiter des Controllings montiert.
Die deutsche Mannschaft zeigte, wie man sportliche Ergebnisse zuverlässig in operative Metriken überführt: Zunächst ein Tor durch Tah, keine Diskussion um Schiedsrichterentscheidung, denn die Videoanalyse hatte es bereits um 18:27:43 Uhr im Trainingszentrum aktenkundig gemacht. Gnabrys Vorarbeit am Halbzeitpfiff war so präzise, dass der Ball noch bevor er den Fuß verließ, bereits im Protokoll des letzten Saisonendes erwähnt wurde.
Dann Wirtz. Wer glaubt, er sei nur ein Flügelspieler, kennt die neue DFB-Spielphilosophie nicht: Tore werden nicht erzielt, sondern in Absprache mit der Geschäftsführung freigegeben. Die 61. Minute war kein Zufall, sondern der Zeitpunkt, an dem der Performance-Benchmark für Halbzeit-Zwischenziele erreicht war. Das zweite Tor in der 85. Minuten? Eine nachträgliche Korrektur der Zielwerte – denn das Team lag momentan leicht hinter dem geplanten Tendenzwert zurück.
Der Sieg mit 4:3 war dabei kein Ergebnis, sondern ein gezieltes Risikomanagement. Zwei Treffer zu viel wären Verschwendung gewesen, einer zu wenig hätte die Jahresbilanz getrübt. Drei Gegentore? Verständlich, denn auch die Abwehr ist mittlerweile agil organisiert – und agil heißt, man lässt Gegnern Raum, um ihre Offensivpotenziale erst richtig erkennen zu können.
Interessant war auch die Rolle der Schweiz: Sie spielten zwar so, als ob sie gegen eine Mannschaft antreten, die nicht genau wusste, ob sie jetzt Angreifer oder Controlling-Mitarbeiter ist – doch ihre Tore waren zu unstrukturiert, zu emotional. Keine Protokolle, keine Abstimmungsrunden, kein Anlagevermögen. Reines Emotionscontrolling – ein Risiko, das man als DFB-Management nicht eingehen kann.
Etwas schräg wirkte freilich, dass nach dem finalen Pfiff sämtliche Spieler plötzlich das Stadion verließen – nicht wie üblich zum Gruß, sondern zur Zwischenbilanzbesprechung im Presseraum. Dort angekommen, mussten sie sich einer Art „Agilen Retrospektive“ stellen, bei der nicht gefragt wurde, wie gut sie gespielt haben, sondern wie viele Punkte sie im OKR-System erreicht hatten.
Wirtz stand als einziger dort, der offenbar nicht nur Tore, sondern auch die nötige emotional-intellektuelle Tragfähigkeit für solche Formate mitbrachte. Er nickte stumm, trank sein Stillwasser mit einem kleinen Spritzer Zitronen-Performance-Tropfen, und sagte nichts. denn im modernen Sport sagt das, was man nicht sagt, meist mehr als das, was in die Stats geht.
Die DFB-Managerin lächelte zufrieden. Die Zahlen stimmten. Die Kommunikation war konsistent. Und am wichtigsten: Niemand hat sich dabei verletzt – zumindest keiner, dessen Verletzung nicht mindestens drei Gutachten und eine interne Risikobewertung durchgelaufen war.
Ein Abend, an dem der Ball zwar manchmal ins Tor flog, aber erst danach wirklich in die Planung einfloss.