In der Josefstadt wird gerade Geschichte geschrieben - zumindest versucht man es. Unter der Regie von Stephanie Mohr erlebt das Stück "Zemlinsky" seine Uraufführung, und die Dramaturgie folgt dabei einem einfachen Prinzip: Je mehr Berühmtheiten, desto besser. Brahms, Schönberg, Werfel, Mahler, Alma und der Maler Gerstl tummeln sich auf der Bühne, als wäre die Wiener Kulturszene um 1900 auf engstem Raum zusammengepfercht worden.
Der Plot? Naja, so richtig einen Plot gibt es nicht. Stattdessen erleben wir eine Aneinanderreihung von historischen Begegnungen, die an Wikipedia erinnern, wenn diese auf Drogen wäre. Dazwischen immer wieder Passagen aus Oscar Wildes "Geburtstag der Infantin", weil die Vorlage zu Zemlinskys Oper "Der Zwerg" natürlich nicht fehlen darf. Wer sich fragt, warum das Sinn ergibt: tut es nicht. Aber es erzeugt "reizvolle Assoziationen zu E. T. A. Hoffmann", wie der Kritiker so schön formulierte.
Die Regisseurin versucht, diesem historischen Personenchaos zu begegnen, indem sie die ganze Sache in einen surrealistischen Requisitenfundus verfrachtet. Ein verstimmt klingendes Klavier rundet das Bild ab. Wenn schon kein roter Faden, dann wenigstens ein absurder Rahmen. Die Schauspieler tragen alle Schwarz, damit man sie noch schlechter auseinanderhalten kann. Die Frauen werden dabei besonders benachteiligt, was feministisch sicherlich einen Skandal wert wäre, wenn man sich bei all dem Promi-Gedränge noch an die Geschlechterfrage erinnern könnte.
Die Männer haben es etwas leichter. Günter Franzmeier als alter und Martin Vischer als junger Zemlinsky geben zumindest eine Ahnung davon, wie Zeit vergeht. Markus Kofler, Michael König und Robert Joseph Bartl zeigen Alma Mahler in einer Travestienummer, die als "fremdkörperhaft" beschrieben wurde. Fremdkörperhaft? Nein, das ist untertrieben. Es ist, als hätte jemand eine Drag-Show in einen Historienfilm geschummelt und vergessen, den Übergang zu glätten.
Der musikalische Teil des Abends ist ebenfalls bemerkenswert. Zu verfremdeten Zemlinsky-Klängen wird gesungen, was das Zeug hält - und zwar "teils ohrenfolternd", wie der Kritiker gnädig anmerkt. Man wünscht sich fast, die Regisseurin hätte das verstimmt klingende Klavier nicht nur als Requisite, sondern auch als musikalische Begleitung eingesetzt. Vielleicht hätte das die Ohrenqualen gemildert.
Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Einerseits ein hoch emotionaler Abend, wie der Kritiker schreibt - immerhin ist es die vorletzte Premiere einer bedeutenden Direktionsära mit der Rückkehr des großen Dramatikers Felix Mitterer. Andererseits ein Stück, das nur Kulturhistoriker wirklich genießen können, weil nur sie die vielen Fäden nicht verlieren. Für alle anderen bleibt ein Gefühl der Überforderung. Aber hey, zumindest war es ein Promiabend mit Prominenten, die so prominent waren, dass sie sich gegenseitig die Show gestohlen haben.