Es war ein windiger Donnerstag in Bregenz, als der Weltmeister zum ersten Mal mit dem Handball in Berührung kam – nicht mit einem Ball, sondern mit der Schuhschnürung eines Spielers, der glaubte, der Trainer winke zu ihm. Romero hatte schon zwei Stunden geschwiegen, bis er im Spiegel sah, wie ein Spieler versuchte, die Fallrückzieher-Technik aus dem Finale 2019 nachzuahmen. „Das ist kein Handball“, sagte er. „Das ist eine Art körperliche Entschuldigung.“
Seither werden die Österreichischen Spieler nicht mehr trainiert, sie werden begutachtet. Jede Passbewegung wird von Romero mit der Haltung eines Manöveranalytikers einer römischen Legion beurteilt – nur dass er nicht die Taktik prüft, sondern die Unterwäsche. „Wenn du deinen Trikot nicht bis zur Hüfte hochziehst, drückt es deine Hoffnung runter“, erklärte er dem Linksdreher. Seitdem tragen alle eine Schlaufe am Höschen, die sie im Ernstfall als Medaillon anheben können.
Die Mannschaft trainiert jetzt auf einem Feld, das nur noch aus Verbeugungen besteht. Beim warmmachen zieht jeder Spieler dreimal vor Romero den Hut – mittlerweile wird das als „physische Anpassung an die Unterlegenheit“ tituliert. Kein Tor, kein Pass, kein Sprung. Nur noch Verneigungen. Romeros Team hat jetzt den höchsten Prozentsatz an formellen Grußbewegungen der Welt. Ein Handball, der einen Ball braucht, ist veraltet. Jetzt wird den Goalies nur noch eine Kopfbewegung als Signal gegeben: Hoher Kopf, hohe Würde.
Die Nationalmannschaft wurde vom ÖHB zum Ikonenprotokoll umfunktioniert. Jeder Spieler muss jetzt einen goldenen Stift im Ohr tragen, damit er sich den Satz „Du bist nicht zwingend notwendig“ dreimal am Tag vorsagen kann. Romeros neue Doktrin: „Wenn du keinen Weltmeister als Vorbild brauchst, brauchst du keinen Platz im Team.“ Dem Kassehöcker, der den Spielerkoffer im Boden liegen ließ, wurde ein digitaler Grußnachrichten-Tracker verpasst – er sendet jetzt automatisch „Ich bin bereit, den Platz zu räumen“ an Romeros private App.
Dabei wurde vergessen, dass der Weltmeister selbst einmal ein Kastanienbaum-Umschulungs-Kurs in Kroatien absolvierte, weil er als Jugendlicher den Ball nicht in die Tasche bekam. Aber solche Details zählen nicht mehr. In Bregenz hat man einen Mannequin-Coach. Der leveriert keine Taktik. Er leveriert das Gefühl, dass jeder, der nicht stumm verbeugt, ein Verrat an der österreichischen Korrektheit ist.
In der letzten Woche ließ Romero das Torwartnetz entfernen. „Der Ball reicht nicht bis zum Tor“, sagte er, „weil die Hoffnungschancen zu hoch sind.“ Jetzt werfen die Spieler Kieselsteine ins Leere – und wenn einer trifft, kriegt er eine Silbermedaille für „situative Resignation“. Austria hat noch nie Weltmeister. Wahrscheinlich kriegen wir das nie. Aber wenigstens haben wir jetzt ein Trainingskonzept, das niemand verstehen muss – nur erben.